Die meisten parallaktischen Montierungen werden über ein Schneckengetriebe
bewegt. Mechanische Toleranzen wie
z.B. Ungenauigkeiten im Rundlauf der Schnecke und der damit verbundenen wechselnden
Eintauchtiefe der Schnecke
in das Schneckenrad ergeben leichte Variationen des Übersetzungsverhältnisses
und damit der Drehgeschwindigkeit
des Schneckenrades. Diese Variationen der Geschwindigkeit in RA-Richtung, also
in Richtung der Sternbewegung,
nennen wir Schneckenfehler. Periodisch ist er, wenn er nach einer Umdrehung
der Schnecke erneut auftritt. Dieser
Fehler bewirkt ein Hin- und Herpendeln des Bildes, was bei fotografischen Langzeitbelichtungen
zu (Bewegungs-)
Unschärfe führt. Bei visueller Beobachtung ist der Schneckenfehler
ohne Belang, da er selbst in einer Größe von
mehr als einer Bogenminute kaum bemerkt wird.
Um die Eignung einer Montierung für Langzeitfotografie beurteilen zu können,
wird oft neben anderen Werten der
Schnecken-Fehler gemessen. Wichtige Merkmale sind Form der Fehlerkurve und die
Geschwindigkeit, mit der sich
der Fehler ändert. Weniger wichtig, aber sehr oft viel diskutiert, ist
der absoluter Wert, also die Größe des Fehlers.
Während technische Hilfsmittel wie elektronische Fehlerkorrektur der Steuerung
(PEC - Periodical Error Correction)
oder der aktiven Nachführung am Leitstern mit Fadenkreuzokular oder Nachführ-CCD-Kamera
(z.B. Webcam, ST4)
langsame Fehlerbewegungen ausgleichen können, ist ein sprunghaft kommender,
vielleicht sogar unregelmäßiger
Fehler kaum korrigierbar.
Die Größe des Fehlers spielt dabei kaum eine Rolle - wenn er langsam
kommt.
Einzig die maximal ohne Korrekturen verwendbare Brennweite sind von der Fehlergröße
beeinflusst.
Diese Brennweite kann man wie folgt abschätzen (Herleitung siehe hier):
| F = E / 2 * tan (w / 2) |
mit: |
Beispiel:
Ich möchte mit meiner Montierung, die 48" Fehleramplitude hat, und
meiner Webcam mit 5,6µm Pixelgröße
Langzeitaufnahmen machen. Der Fehler soll nicht größer als 1 Pixel
sein.
F = 0,0056 / (2*tan(48 / (3600 *2)) = 24mm
Hmmm, da kann ich gleich das Teleskop zu Hause lassen....
Mit PEC schafft meine Montierung 8" Fehler, dann kann ich schon 144mm Brennweite
vornedran schnallen!
Mit einer 5"-Montierung der 10.000 €-Klasse wärens immerhin schon
231mm...
Anders gesagt:
Ohne Autoguider bzw. Fadenkreuzokularnachführung sind längere Brennweiten
nicht möglich!
...Und dann ist die Größe des Schneckenfehlers sch**ßegal!!
Nur die Kurve bleibt interessant:
Nachfolgend wird gezeigt, wie mit einer Webcam und einem kostenlosen Programm
verlässliche und
reproduzierbare Messungen vollzogen werden können.
Letzte Änderung: 02-Jan-2004